was zählt als Verbraucherkredit?

Verbraucherkredit ist ein geläufiger Begriff in der Finanzwelt, aber was zählt denn eigentlich als Verbraucherkredit? Diese Frage haben wir uns auch selber gestellt, denn so ganz offensichtlich ist die Antwort natürlich nicht. Neben diesem Fachbegriff zirkulieren ja auch noch andere Bezeichungen, wie z.B. Kleinkredite, Minidarlehen, Konsumkredite uvm..

Was zählt als Verbraucherkredit?

Wir haben uns im Internet auf die Suche nach der korrekten Antwort gemacht und dabei folgendes gefunden:

Kredite gibt es in jeder Form und Höhe, von der Kreditkarte Ihres Onlinehändlers über die Ratenzahlung Ihres neuen TV-Geräts bis zum Darlehen von der Bank. Die Verbraucherkreditrichtlinie gilt für die meisten Kreditverträge mit einem Wert zwischen 200 € und 75 000 €. (Quelle: europäische Kommission ec.europa.eu zum Thema Verbraucherkredite)

Laut europäischer Kommission ist ein Verbraucherkredit also jegliches Darlehen mit einer Kreditsumme zwischen 200€ und 75.000€. Ein bisschen schwammig ist der Begriff dann aber trotzdem noch, denn was heißt denn ganz konkret „gilt für die meisten“? Welche Kredite werden denn dann nicht als Verbraucherkredit bezeichnet? Wir haben dazu eine Mail an die entsprechende Stelle geschickt, mit der Bitte um fachliche Aufklärung.

Verbraucherkredit, Verbraucherdarlehen. 1. Begriff: Kredit an private Haushalte, der der Finanzierung des Güterverbrauchs dient. Der Konsumentenkredit wird entweder als Ratenkredit über Darlehenskonten oder als Dispositionskredit über Kontokorrentkonten bereitgestellt (Kreditvertrag). (Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon)

Im Wirtschaftslexikon von Gabler werden zusätzlich noch 2 weitere Kriterien genannt, die einen Verbraucherkredit auszeichnen: die Kreditsumme (im Allgemeinen) bis maximal 25.000€ und eine Laufzeit von maximal 72 Monaten (also 6 Jahren). Auch hier haben wir uns natürlich gefragt, was „im Allgemeinen“ denn konkret heißt bzw. was die Ausnahmen sind.

Die Frage ist nicht ganz einfach zu klären. „Grundsätzlich gilt, dass Immobilienkredite rechtlich auch als Verbraucherkredite eingestuft werden“, sagt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Der BGH habe Immobilienkredite in seinen Urteilen vom Mai zwar nicht erwähnt, die Gründe für die Entscheidung würden aber auch nicht ausschließen, dass sie einbezogen werden. (Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 30.10.2014)

Herr Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagt sogar, dass selbst ein Immobilienkredit rein rechtlich als Verbraucherkredit eingestuft werden muss. Damit haben wir noch eine dritte völlig andere Definition bzw. Klassifizierung des Begriffs, die weit über den Summenbeschränkungen liegt, die von der EU Kommission oder dem Gabler Lexikon genannt werden.

Hintergrund der Recherche war natürlich das Thema „Bearbeitungsentgelte bei Verbraucherkrediten„, denn der Bundesgrichtshof hat diese schon im Jahr 2014 für unzulässig erklärt – und zwar rückwirkend bis 2004. Das ist natürlich für viele Verbraucher eine sehr interessante Information, denn diese bereits bezahlten Entgelte können nun rein theoretisch von der kreditgebenden Bank zurück gefordert werden. Da sich das Urteil aber explizit auf Verbraucherkredite bezieht, muss man also erst einmal genau wissen, wie sich ein solcher Kredit überhaupt definiert bzw. auszeichnet. Und scheinbar herrscht darüber sogar an oberster Stelle eher Uneinigkeit.

 

was zählt als Verbraucherkredit?
4.6 (91.25%) 16 Bewertung[en]

Ein Kommentar zu “was zählt als Verbraucherkredit?

Comments are closed.