überhöhte Kreditgebühren: das können Sie dagegen tun

Vor rund zwei Jahren entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass überhöhte Bearbeitungsgebühren für Kreditnehmer unzulässig seien. Auslöser dafür waren damals Kläger, die gegen Forderungen verschiedener Banken vorgingen. Damit zu Unrecht gezahlte Gebühren wieder von der Bank zurückerstattet werden, ist es unumgänglich, sich auf schriftlichem Wege mit den Verantwortlichen auseinanderzusetzen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen und wie Sie bei überhöhten Kreditgebühren richtig handeln.

Hohe Kreditgebühren – was können Verbraucher tun?

ueberhoehte-kreditgeuehren-zurueckfordernIm Jahr 2014 entschied der Bundesgerichtshof zugunsten zweier Kläger, die die Forderungen hoher Kreditgebühren von Banken nicht akzeptieren wollten – und damit Recht bekamen. Banken dürfen demnach heute keine Bearbeitungsgebühren mehr für normale Verbraucherkredite verlangen. So wurden im Zuge dieses Urteils Klauseln in den Verträgen geprüft, die vorsahen, dass Kunden nicht nur Zinsen für ihre Darlehen bezahlen müssen, sondern auch teure Bearbeitungskosten. Bei einem fünfstelligen Betrag konnten sich hier nämlich Bearbeitungsgebühren von 1.500 Euro oder noch mehr – je nach Höhe – ansammeln.
Als Kunde gilt daher, nicht zuzusehen, sondern sich sein Geld zurückzuholen, sofern man es schon gezahlt hat – dies ist nämlich auch im Nachhinein noch möglich.

So fordern Sie überhöhte Bearbeitungsgebühren von der Bank zurück

Aus rein rechtlicher Sicht spricht man bei einer Rückforderung von einem Bereicherungsanspruch gegenüber der jeweiligen Bank – dies wurde auch in den entsprechenden Urteilen des Bundesgerichtshofs festgehalten. Zunächst ging man hier von einer kurzen Verjährungsfrist von maximal drei Jahren aus, allerdings wurde diese Frist nachträglich auf 10 Jahre verlängert. Genau genommen heißt dies: Hat man seinen Kreditvertrag im Jahr 2006 oder danach geschlossen, kann man sich die Gebühren auch heute noch problemlos von der Bank zurückholen. Bei einem älteren Kreditvertrag kann die Rückforderung mit Komplikationen verbunden oder gar nicht erfolgreich sein.

Doch warum kann man als Kreditnehmer die Gebühren überhaupt noch zurückfordern?

Bei der Bearbeitungsgebühr handelt es sich um von den Banken erbrachte Tätigkeiten, die entweder aus eigenem Interesse oder auch aus rechtlicher Verpflichtung ausgeführt worden sind. Dazu gehören beispielsweise die Bearbeitung des Kreditvertrags, das Prüfen der Bonität eines Kunden, das Erfassen der Daten des Kreditnehmers oder auch das Bereitstellen der Kreditsumme. Genau diese Aufgaben wurden vom Bundesgerichtshof allerdings als ganz gewöhnliche betriebswirtschaftliche Aufgaben, die in keinster Weise eine Forderung von hohen Kreditgebühren rechtfertigen. Für den Kunden sind solche Gebühren nämlich nicht selten eine zusätzliche finanzielle Belastung.

Hohe Kreditgebühren – wie viel kann man von den Banken zurückfordern?

Tatsächlich können Bankkunden nicht nur die Bearbeitungsgebühr für einen Kredit, sondern auch noch die zusätzlich anfallenden Zinsen vom Kreditgeber zurückfordern. Diese können beachtenswert hoch sein und bis zu 5% betragen – bei einem Kreditbetrag von mehreren Tausend Euro kommt da somit eine stattliche Summe zusammen.

Wichtig ist jedoch, darauf zu achten, dass ein Rückforderungsrecht nur dann möglich ist, wenn die Bearbeitungsgebühr in einer Klausel des Vertrags enthalten ist. Meist handelt es sich hierbei um vorformulierte Richtlinien, die Banken standardmäßig in den AGBs eintragen. In einem Großteil der Kreditverträge ist bereits auf der ersten Seite des Darlehensvertrags vermerkt, dass Bearbeitungsgebühren anfallen. Bei einem Online-Kreditvertrag lässt sich dies noch einfacher herausfiltern.

Liegen dem Darlehensvertrag keine Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugrunde, so greift eine individuelle Vereinbarung. Das bedeutet, dass Bearbeitungsgebühren frei verhandelt worden sind und die Bank mit dem Kunden zu Beginn ein Gespräch führte. So konnte der Kunde selbst einen gewissen Einfluss auf die Gebühren haben, die dann unter Umständen handschriftlich in Vertragsformulare eingeschrieben werden mussten. In so einem Fall ist es schwierig, die Gebühren zurückzuerhalten. Dabei handelt es sich allerdings eher um die Ausnahme, die bei den wenigsten Verträgen zum Tragen kommt.

So gehen Kreditnehmer bei der Rückforderung der Gebühren richtig vor

Der erste Schritt zur Rückforderung von ungerechtfertigten Bearbeitungsgebühren sollte stets sein, nachzusehen, ob die Bank beim Darlehensabschluss – neben den Zinsen – überhaupt Bearbeitungsgebühren gefordert hat. Bei einer individuellen Vereinbarung hat man zwar schlechte Karten, bei einer normalen, vorgedruckten Vertragsklausel jedoch sollte man als Kunde unbedingt handeln. In den meisten Fällen beträgt die Bearbeitungsgebühr zwischen zwei und drei Prozent, allerdings haben in den letzten Jahren immer weniger Banken Gebühren verlangt.

Was ebenfalls berücksichtigt werden muss, ist, dass die Verjährungsfrist noch immer zehn Jahre beträgt, wie der Bundesgerichtshof es festgelegt hat. Für das Jahr 2016 gilt daher, dass alle Kreditnehmer, die einen Vertrag seit 2006 oder danach geschlossen werden, noch Anspruch auf eine Rückzahlung haben. Die Frist gilt dabei stets bis zum 31. Dezember des entsprechenden Jahres. Für die Rückforderung muss man nicht selbst ein Schreiben aufsetzen, sondern kann mit entsprechenden Vorlagen von Verbraucherzentralen oder der Stiftung Warentest einfach einen Musterbrief an die Bank senden. Denn: Beauftragt man einen Anwalt mit der Durchführung der Rückforderungsansprüche, dann entstehen hier ebenso kosten. Somit wäre fraglich, ob sich die Forderung überhaupt rentiert. Eine eigenständige Forderung ist auch deshalb von Vorteil, dass unter Umständen später anfallende Anwaltskosten direkt der Bank zu Lasten gelegt werden.

Sobald das Schreiben an die Bank verschickt worden ist, heißt es danach erst einmal: Warten. Das kann mitunter lange Dauern. Viele Verbrauchertests haben bis heute gezeigt, dass die Wartezeiten wegen des hohen Ansturms oft mehrere Wochen beträgt. In der Regel genügt es jedoch, wenn eine Bank dem Kunden eine Bestätigung des Erhalts schickt.
Wichtig: Lassen Sie sich als Kunde nicht damit abspeisen, nur die Bearbeitungsgebühren zurückzubekommen. Auch die Zinsen können durchaus zurückgefordert werden, denn sie können bis zu 50% (!) der gesamten Gebühren ausmachen.

kreditkosten-einfordernFür den Fall, dass die Bank Forderungen zurückweist, ist es fast unumgänglich, einen Anwalt einzuschalten, der sich um das weitere Abwickeln der Rückforderung kümmert – sofern sich dies im Hinblick auf die Anwaltskosten finanziell bezahlt macht. Eine bestehende Rechtsschutzversicherung lohnt sich hier natürlich in jedem Fall. Wer sich an einen Anwalt wendet, hat oft sehr gute Chancen, wenn es sich um eine Sammelklage handelt, bei der mehrere Betroffene – oft sind es sogar mehrere hunderte – Geld von den Banken zurückfordern. Somit lassen sich die Anwaltskosten, aber auch das Risiko für den Kreditnehmer, drastisch senken. Eine andere Möglichkeit ist, bei einem Ombudsmann eine Beschwerde für die entsprechende Bank einzureichen. Dies ist nicht mit Kosten verbunden und daher immer zu empfehlen.

Wann habe ich die besten Chancen auf eine Erstattung der Kreditgebühren?

Am besten sind die Chancen, die Bearbeitungsgebühren und Zinsen von Banken zurückzuerhalten, wenn man seinen Kreditvertrag erst in den letzten fünf Jahren abgeschlossen hat. Handelt es sich um ältere Ansprüche, versuchen sich viele Banken, auf eine mögliche Verjährung zu berufen. Ob dies allerdings immer rechtmäßig ist, darüber lässt sich juristisch streiten.

Abschließend bleibt also zu sagen:
Zögern Sie als Kreditnehmer nicht, Ihren Vertrag zu prüfen. Auch, wenn Sie vielleicht gar nicht damit rechnen, Bearbeitungsgebühren und hohe Zinsen bezahlt zu haben, zeigt sich oft doch bei näherem Hinsehen, dass man durchaus Geld zurückverlangen kann – und zwar häufig eine Menge. Wichtig ist dennoch, sich darüber im Klaren zu sein, dass es sich um eine Klausel im Vertrag handeln muss und nicht um eine zwischen Bank und Kunden individuelle Festlegung der Zinsen und eventuellen Gebühren.

Bildrechte: Andreas Hermsdorf @pixelio

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